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APA, 4.2.2010
Burgenländischer Volksbuch-Versuch: 
Peter Wagners "Die Burgenbürger"
Essay von Siegmund Kleinl, 11.2009
Sein oder Design – das ist hier die Antwort
Zu Peter Wagners Roman Die Burgenbürger
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Pressestimmen 

Die Burgenbürger

APA, 4. Feber 2010 

BURGENLÄNDISCHER VOLKSBUCH-VERSUCH:

PETER WAGNERS "DIE BURGENBÜRGER" 

Der verstorbene Alt-Kanzler Fred Sinowatz steht im Mittelpunkt eines bunt illustrierten Romans, der Landesgeschichte, Märchen und Polit-Satire mischt (Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

Wien (APA) - Dass er eines Tages als Romanheld wiedergeboren werden würde, hätte sich der 2008 verstorbene Fred Sinowatz wohl nicht träumen lassen. In "Die Burgenbürger", einem literarischen Experiment des südburgenländischen Autors und Regisseur Peter Wagner (53), steht er im Zentrum eines eigenwillig bis skurril anmutenden Streifzugs durch die pannonische Sagenwelt und die burgenländische Geschichte.


Doch nicht nur die charakteristische Nase des Alt-Kanzlers steht einem dank der Illustrationen von Henryk Mossler bei der Lektüre des dicken Heimatbuches beständig vor Augen. Für den zweiten Protagonisten, den Jungpolitiker Pinz Joe, der so gerne die Führung im Lande übernehmen würde, aber noch viel zu lernen hat, ist wohl der regierende Landeshauptmann Hans Niessl (S) Modell gestanden.


Wagner, mit seinen Texten, Inszenierungen und Aktionen seit vielen Jahren ein giftiger Stachel im Fleisch der burgenländischen Polit- und Kulturszene, versucht mit "Die Burgenbürger" eine Wiederbelebung des alten, längst von der modernen Medienwelt überholten Volksbuch-Gedankens und kreuzt diesen mit zeitgenössischer Polit-Satire. Onkel Fred klettert mit Pinz Joe, der eines Tages an dessen Haustür in Neufeld klopft und sich das "r" in seinem Namen erst verdienen muss, um nächster Landeslenker zu werden, in das große Bubülabu, das geheime Burgenbürgerlandbuch, in dem alle Mythen, Sagen und Märchen der langen und wechselvollen Geschichte des Landstriches verzeichnet sind.


In insgesamt 21 Märchen versucht sich Wagner an der "ultimativ märchenhaften, märchenhaft ultimativen Geschichtsschreibung eines weithin unerforschten Menschenvolks", und so begegnen Onkel Fred und Pinz Joe in der Folge alten Römern ebenso wie anstürmenden Türken, Maria Theresia wie der Blutgräfin von Lockenhaus, den Komponisten Joseph Haydn und Franz Liszt, aber auch jeder Menge Feen und Kentauren, Hexen und Geistern. Begleitet wird die turbulente Zeitreise von rund 200 aquarellierten und gezeichneten Illustrationen von Henryk Mossler, die immer wieder deutliche Anleihen an die Bilder- und Schreckenswelten von Hieronymus Bosch, Alfred Kubin oder Oskar Laske nehmen.


Peter Wagner hat mit seinem ungewöhnlichen Buch etwas gewagt. "Die Burgenbürger" bieten auf über 500 Seiten nicht nur eine grellbunte Mischung aus Geschichten und Geschichte, Unterhaltung und Belehrung, Sage und Satire, sondern auch viel Stoff für Diskussionen, ob diese Wagnis aufgegangen ist. Am besten im Rahmen verpflichtender Schullektüre junger Burgenbürger.


(S E R V I C E - Peter Wagner: "Die Burgenbürger", Illustrationen von Henryk Mossler, Edition Marlit im Hora Verlag, 568 S., 34,10 Euro, ISBN 3-213-00087-6, http://www.peterwagner.at)
(Schluss) whl/ley